jugend.beratung.drogen - für Würzburg und Umgebung jugend.beratung.drogen - für Würzburg und Umgebung jugend.beratung.drogen - für Würzburg und Umgebung
unter uns drogen & co. links faq kontakt home
drogen & co

Drogentote in der Region Würzburg

Bericht für die Kassenärtzliche Vereinigung Unterfranken vom April 2002 von Peter Lutz, Jugend- und Drogenberatungsstelle, Würzburg

Bundesweit ist die aktuelle Zahl der Drogentoten rückläufig, im Bereich der Polizeidirektion Würzburg steigt jedoch die Zahl der Drogentoten. In diesem Jahr starben bereits 5 Menschen bis Mitte Februar an den Folgen ihres Drogenkonsums, im vergangenen Jahr gab es insgesamt im Raum Würzburg 14 Drogentote (Quelle: Volksblatt, Würzburg, 13.03.2002).

Dieser Anstieg ist sicher alarmierend, ein Indikator dafür, dass das Drogenproblem größer geworden ist, ist die Zahl der Drogentoten sicherlich nicht. Aus Sicht der Drogenberatungsstelle ist die Zahl der Drogenabhängigen seit den 90er Jahren auf einem gleichbleibend hohen Level.

Die Zahl der Drogentoten in unserem direkten Versorgungsbereich macht betroffen und stellt Fragen nach den Hintergründen und Ursachen. Nach unserer Einschätzung gibt es vor allem drei problematische Gruppen von Drogenabhängigen:

  • Abhängige, die aus unterschiedlichsten Gründen keinen Sinn und keine Lebensperspektiven mehr sehen und suizidales Verhalten zeigen bzw. dazu neigen.
  • Abhängige, die unmittelbar nach einer erfolgten stationären Entgiftung, einem Therapieabbruch oder einem erfolgten Gefängnisaufenthalt stehen.
  • Abhängige, die substituiert werden und einen kritischen Beikonsum von illegalen (z. B. Heroin, Kokain) und/oder legalen Mitteln (z. B. Alkohol, Benzodiazepine) haben.

Am schwierigsten zu erreichen sind suizidale Abhängige. Oft bekommt niemand in der Umgebung des Betroffenen von den Selbstmordabsichten etwas mit oder den geäußerten Ankündigungen wird nicht mehr geglaubt. Trifft der Arzt auf Abhängige, die Suizidabsichten äußern, muss er genau prüfen, ob er damit hinsichtlich Verschreibungen unter Druck gesetzt werden soll oder ob eine Einweisung z. B. auf eine Entgiftungsstation indiziert ist.

Abhängige, die gerade eine kürzere oder längere Phase abstinenten Verhaltens hinter sich haben (z. B. Entlassung aus dem Gefängnis, Therapieabbruch, beendete stationäre Entgiftung) sind bekanntlich durch Überdosierungen höchst gefährdet. Eine Substitution sollte nur unter klaren Regeln mit entsprechenden Kontrollen (Drogenscreening) begonnen werden, aller medikamentöser und sonstiger Beikonsum kann lebensbedrohlich sein.

Wahrscheinlich ist die Hauptursache bei vielen Drogentoten ein sogenannter "polytoxikomaner Mix". Jeder Arzt muss sich darüber im klaren sein, dass offenbar nur eine Minderheit der substituierten Abhängigen ihr Substitutionsmittel korrekt, d. h. ohne weiteren Beikonsum, konsumiert.

Für viele Abhängige ist Methadon eine Notlösung, als Droge ein schlechter Ersatz für Heroin. Oft wird die Höhe der Methadon-Dosierung als nicht ausreichend angesehen bzw. wird eine Reduzierung der Dosierung durch den Arzt vom Abhängigen nicht mitgetragen. Dies führt in vielen Fällen dazu, dass von Alkohol über Heroin, Kokain, Haschisch bis zu Medikamenten (überwiegend aus dem Bereich der Psychopharmaka und Opiate) alles zusätzlich zum Methadon konsumiert wird. Die Wirkungen der einzelnen Stoffe werden so in lebensbedrohlicher Weise potenziert.

Der Arzt, der weiß, dass ein Abhängiger von einem Kollegen substituiert wird und diesem trotzdem Methadon, Codeinsaft, Benzodiazepine u.ä. verschreibt, handelt kriminell und verantwortungslos. Um zwischen sinnvoller Hilfe und unkritischer Befriedigung einer Sucht zu unterscheiden, sind bei jedem Arzt Professionalität, Gewissen und eine klare Haltung gegenüber dem drogenabhängigen Patienten gefragt.



zurück 
  seitenanfang